Zweisprachigkeit stärken, nicht sanktionieren – Österreichisches Volksgruppenzentrum ruft zu respektvollem Umgang mit Slowenisch im Kärntner Landtag auf
- OEVZ
- vor 20 Stunden
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Das österreichische Volksgruppenzentrum verfolgt die jüngsten Entwicklungen im Kärntner Landtag mit großer Aufmerksamkeit. Der einem zweisprachigen Landtagsabgeordneten erteilte Ordnungsruf für die Verwendung einzelner slowenischer Begrüßungs- und Dankesworte hat in der slowenischen Volksgruppe und weit darüber hinaus Besorgnis ausgelöst.
Für uns steht außer Zweifel: Die sichtbare und hörbare Präsenz des Slowenischen ist ein integraler Bestandteil der Kärntner Realität und der österreichischen Demokratie. Sie gründet sich nicht nur auf historische Verantwortung und völkerrechtliche Verpflichtungen, sondern auch auf die klare Bekenntnislage in der Kärntner Landesverfassung und in zahlreichen politischen Programmen, Strategien und Dialogprozessen.
Gerade im 21. Jahrhundert sollte der Gebrauch der Muttersprache eines Volksgruppenabgeordneten im Landtag nicht als Störung, sondern als sichtbares Zeichen gelebter Mehrsprachigkeit verstanden werden. Gruß- und Dankesworte auf Slowenisch unterstreichen die Repräsentanz der Volksgruppe und nehmen niemandem etwas weg – sie erweitern den öffentlichen Raum um eine Sprache, die seit vielen Jahrhunderten zu Kärnten gehört.
Wir begrüßen alle Stimmen in Politik und Zivilgesellschaft, die in den letzten Tagen klargestellt haben, dass kulturelle und sprachliche Vielfalt eine Stärke Kärntens und Österreichs ist. Diese Haltung steht im Einklang mit europäischen Werten, denen sich Österreich ausdrücklich verpflichtet fühlt: Schutz autochthoner Minderheiten, Anerkennung von Mehrsprachigkeit und respektvoller Umgang miteinander.
„Als österreichisches Volksgruppenzentrum setzen wir auf Dialog, Rechtsstaatlichkeit und eine moderne Verständigungskultur. Wir sind überzeugt, dass Spannungen nur dort entstehen, wo Sprache politisch instrumentalisiert und nicht als Brücke verstanden wird. Daher appellieren wir an alle Verantwortlichen im Bund, in den Ländern und in den Gemeinden, den bestehenden rechtlichen Rahmen zugunsten der Volksgruppen nicht eng auszulegen, sondern im Geist von Partnerschaft und gegenseitigem Respekt zu nutzen.“, betont Präsident Marian Wakounig.
„Unser Ziel ist ein Kärnten, in dem Kinder selbstverständlich mit zwei Sprachen aufwachsen können, Volksgruppenvertreter ohne Angst vor Sanktionen ihre Muttersprache verwenden dürfen und die Zweisprachigkeit in den öffentlichen Institutionen als Chance für die Zukunft begriffen wird. Dazu bieten wir unsere rechtliche Expertise und unsere Bereitschaft zum konstruktiven Gespräch jederzeit an.“, ergänzt Generalsekretär Josef Buranits.
Rückfragehinweis:
Österreichisches VolksgruppenzentrumTeinfaltstraße 4, 1010 Wien
Mag. Josef Buranits, LL.M.
Telefon: +43 1 533 1504
E-Mail: kontakt@oevz.org
Weitere Quellen: ORF - Ordnungsruf wegen slowenischer Worte - Slovenci-Meldungen



